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Gemeindegeschichte

Zur Kirchengeschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum-Werne

 

(Ein Vortrag von Alt-Superintendent Werbeck aus dem Jahre 1993)

 

Es mögen heute einige gebürtige Werner unter uns sein, die die Geschichte ihrer Gemeinde aus eigenem Erleben viel genauer kennen als ich, der ich seit 1946 als Nachbar von Ümmingen aus und später als Bochumer Superintendent einiges miterlebt und aus den Akten entnommen habe. Ich bitte deshalb von vornherein um Nachsicht, wenn mein Bericht Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten sollte.

 

Seit 100 Jahren besteht die Ev. Kirchengemeinde Bochum-Werne als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Aber Christen gibt es in Werne schon seit 1200 Jahren, seit der durch Karl den Großen veranlaßten Missionierung Westfalens. Dem Kloster Essen-Werden flossen um 900 auch aus Werne Pachtlieferungen der Bauern Wieringer und Brune zu. In dieser Zeit entstand zwischen Dortmund und Bochum die weiträumige Großgemeinde Lütgendortmund. Sie erstreckte sich von Gedern an der Ruhr bis an die Castroper Feldmark, von den Toren der alten Reichsstadt Dortmund bei Kirchlinde bis in die Gegend des heutigen Ruhrparks. Später entstanden Tochtergemeinden: infolge der Reformation machte sich Langendreer selbständig, und die Industriealisierung ließ die Gemeindegliederzahlen derart ansteigen, dass sich sechs weitere Gemeinden von der Mutter lösten: 1868 Witten-Annen, 1893 Bochum-Werne, 1894 Marten mit Rahm und Kirchlinde, 1906 Witten-Stockum, 1907 Oespel mit Kley, 1911 Bövinghausen und Westrich.

 

Die Werner sind sich schon in der Großgemeinde Lütgendortmund stets ihres eigenen Wertes bewußt gewesen. Sie gingen nur ungern die zweieinhalb Kilometer zur dortigen Bartholomäuskirche, und als in der Reformationszeit, in der sie alle außer Hellbrügge evangelisch wurden, der Predigtgottesdienst wichtig wurde, bauten sie sich eine eigene Kapelle.

 

Das war ein Fachwerkbau mit einer großen Deele, die in zwei Räume eingeteilt war, einer für die Dorfschule, einer für den Gottesdienst am Mittwochmorgen, in dem der Lehrer als Kantor oder Vorsänger fungierte und als sogenannter Kapellenvikar ein dazu berufener Pastor aus der Nachbarschaft in Harpen, Ümmingen, Langendreer oder Witten predigte und am Gründonnerstag das Abendmahl austeilte.

 

Bei einer Gemeindegliederzahl von unter 200 reichte der Platz aus. Zu den Amtshandlungen, also Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, mussten die Werner ihre zuständigen Pastoren in Lütgendortmund aufsuchen; die ließen sich die damit verbundenen Einnahmen, die einen Teil ihres Gehalts darstellten, natürlich nicht nehmen. Andererseits waren die Werner stolz, dass sie völlig selbständig, ohne eine Aufsichtsbehörde auch nur zu fragen, ihren örtlichen Kapellenvikar beriefen. Die Nachbarpfarrer nahmen dieses Nebenamt gerne an, denn es brachte ihnen ein zusätzliches Gehalt, nämlich den Ertrag von 22 Morgen Bauernland und das, was man aus dem dazugehörenden Fischteich fing.

 

Als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Kapelle baufällig wurde, schlugen Schulte Limbeck und Kohleppel vor: abreißen, neu bauen und den Schulbetrieb modernisieren. Die anderen Eingesessenen lehnten das ab, weil es ihnen zu teuer war. Da ließen die beiden Großbauern das Häuschen in einer Nacht- und Nebelaktion auf eigene Faust abreißen. Sie handelten sich damit eine Strafe von neun Monaten Zuchthaus ein; doch ihren Anwälten gelang es, das Strafmaß auf dem Gnadenwege in eine Geldbuße umzuwandeln. Die neue Kapelle entstand 1810, noch in der Franzosenzeit. Nach 1870 wurde sie aber für die Gemeinde zu klein. Als dann die neue Kirche gebaut war, verkaufte man die Kapelle für 6000 Mark an die politische Gemeinde, die sie noch eine Zeit lang als Schule nutzte.

 

Ähnlich selbstbewußt wie in der Kapellensache verhielten sich die Werner im großen Gesangbuchstreit 1785. Damals sollte in den Gemeinden der Grafschaft Mark ein neuesGesangbuch eingeführt werden. Der König hatte es empfohlen., Pastoren und Presbyter hatten entsprechend beschlossen, aber fast überall wehrten sich die Gemeindeglieder. Erstens waren sie grundsätzlich gegen alles neue in der Kirche, zumal, wenn es Geld kostete, und zweitens fanden sie in dem neuen Liederbuch ihre alten frommen Choräle nicht wieder und widerstanden aus Gewissensgründen dem aufklärerischen, verweltlichten und humanwissenschaftlichen Geist dieses Machwerks. In den Lütgendortmunder Gottesdiensten kam es zu Tumulten, Protestrufe gellten durch den Raum, die Gemeinde sang lauthals ihre alten Lieblingslieder gegen die Orgel an, die ein neues Lied spielte, die Pastoren drohten vergeblich von der Kanzel. Anschließend kam es zu gerichtlichen Untersuchungen wegen Landfriedensbruch. Zu den prominenten Demonstranten gehörte Schulte Limbeck. Insgesamt scheinen die Werner Gemeindeglieder eine mäßigende Rolle gespielt zu haben, eine Art Friedensbewegung im Kirchenstreit.

 

Die Verselbständigung Wernes begann damit, dass die Lütgendortmunder Pastoren ab 1825 alle 4 Wochen einen Gottesdienst in Werne hielten und damit die alte Vikarie-Regelung beendeten. Die von 302 Einwohnern 1847 auf über 6000 Evangelische 1893, also in noch nicht 50 Jahren, gestiegene Gemeindegliederzahl ließ sich nicht mehr von Lütgendortmund her pastorisieren. Bei der Einwohnerzählung 1871 sind von 2605 Wernern nur 590 im Ort geboren, also weniger als ein Viertel; die übrigen waren aus anderen Gegenden zugewandert. Die Zechen hatten inzwischen ihren Betrieb aufgenommen, ihre Kolonien entstanden auf altem Bauernland.

 

Als 1883 Luthers 400. Geburtstag festlich begangen wurde, fasste das Presbyterium Lütgendortmund einige Beschlüsse zur Aktivierung des kirchlichen Lebens; u. a. sollte für Werne eine Gemeindeschwester angestellt werden. Da aber damals Schwesternmangel herrschte, konnte der Beschluss nicht realisiert werden.

Später hat die politische Gemeinde bis 1904 die Kosten für zwei Wittener Diakonissen übernommen. Eine andere Anregung des Lutherjubiläums wurde 1885 in die Tat umgesetzt: der Ev. Arbeiterverein Werne wurde gegründet, dessen Mitgliedschaft bis 1921 von 75 auf 400 anstieg. Zu Vorsitzenden wurde gewählt Georg Alze bis 1900, August Fattinger bis 1907 und dann Robert Lück. Die Zusammenkünfte fanden zunächst in der Wirtschaft Kranay statt.

 

Die Gemeindebildung zog sich über viele Jahre hin. Es ging wieder einmal um das liebe Geld. Die Aufsichtsbehörden prüften sorgfältig, ob das Kirchensteueraufkommen hoch genug sein würde, um einen Pfarrer zu besolden. Baukosten für Kirche und Pfarrhaus amortisieren und die sonstigen Ausgaben zu tragen. Die Muttergemeinde sträubte sich, ihrer Tochter aus eigenem Vermögen eine genügende Mitgift zu geben. So dauerte es bis 1892, ehe nach einem erneuten kräftigen Anstoß durch eine kreiskirchliche Visitation endlich am 8. Dezember die Lütgendortmunder Leitungsgremien die Auspfarrung Wernes beschlossen. Eine Werner Hausväterversammlung und die kirchlichen und staatlichen Behörden in Münster, Arnsberg und Berlin mussten noch zustimmen. Dann wurde am 1. November 1893 die Ev. Kirchengemeinde Bochum-Werne geboren und sofort mit 2 Pfarrstellen und 12 Presbytern versehen.

 

Ich teile die 100jährige Gemeindegeschichte ein in die drei Abschnitte Grundlegung Kirchenkampf und Wiederaufbau, neue Wege.

 

Grundlegung

 

Dies war zunächst Aufgabe des ersten Pfarrers und seiner Mitarbeiter. Der Lehrerssohn Martin Luther aus Dortmund-Asseln war erst 25 Jahre alt, als er 1890 Hilfsprediger in Lütgendortmund wurde mit dem Auftrag, sich um Werne zu kümmern. 1891 erhielt er eine Pfarrstelle und nahm seinen Wohnsitz in Werne. Mit der Gemeindegründung 1893 war die Errichtung einer weiteren Pfarrstelle verbunden, in die Gustav Rummeld gewählt wurde.

 

Auch für den 1867 geborenen Sohn eines Lehrers aus Hohenlimburg war dies die erste Amtsstelle; Superintendent König führte ihn im Oktober 1894 ein. Der Gottesdienst fand noch in der alten Kapelle statt.

 

Inzwischen wurde der Kirchbau mit Hochdruck betrieben. Das Grundstück erwarb man von Landwirt Kohleppel für 13.550 Goldmark. Die Bauausführung übertrug man dem Architekten Fischer aus Wuppertal-Barmen, der zehn Jahre später in Langendreer die Pauluskirche und die Lutherkirche gebaut hat. Der erste Spatenstich erfolgte am 25. März 1895, der Grundstein wurde 4 Wochen später gelegt, und am 21. Oktober 1896, an einem Mittwoch, erfolgte die Einweihung. Die Weiherede hielt der damalige westfälische Generalsuperintendent Nebe über das Bibelwort, das die Kaiserin in die von ihr geschenkte Altarbibel geschrieben hatte: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen“ (Sprüche Salomonis 3, 5 u. 6). Hat sich die Gemeinde Werne mit ihren Pastoren, Presbytern und Mitarbeitern, Frauen und Männern, wohl immer an diesen Rat gehalten?

 

Die Festpredigt hielt Pfarrer Rummeld über die Ermahnung des Jacobusbriefes: „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein“. Auch ein gutes Motto für eine Christengemeinde, die in einer immer unchristlicher werdenden Welt für ihren Herrn unter den Nachbarn und Kollegen werben will. Rummeld ist es m. E. gewesen, der die 40 Jahre der Grundlegung von 1893 bis 1933 wesentlich geprägt und bestimmt hat. Das Entscheidende bestand nicht in der Gründung von immer neuen Gruppen und Kreisen, in der Erfindung immer neuer Aktivitäten. Das gab es auch. Aber das eigentliche Ziel war die Weckung eines geistlichen Lebens in der Gemeinde. Dieses Ziel war schon vor der Gemeindegründung von einigen Laienkreisen angepeilt worden.

 

In der Kolonie Deutsches Reich wohnte die Familie Heerig. Der junge Christian wollte Missionar werden. Während seiner Ausbildung bei der Rheinischen Mission in Wuppertal-Barmen begann er 1888, in der elterlichen Wohnung Bibelstunden für Interessierte zu halten, nicht nur Übung für den künftigen Beruf, sondern vor allem aus Eifer für die Sache Jesu Christi. Aus der Bibelstunde erwuchsen ein Missions-Frauenverein und eine Sonntagsschule. Später nannte sich diese Gruppe „Missionsverein“ und kam in einem privaten Versammlungssaal in der Hermannstraße zusammen, den der Generalsuperintendent persönlich 1894 eingeweiht hatte. Der Verein entfaltete ein reges volksmissionarisches Leben in der Kirchengemeinde. Heerig selbst ging als Missionar nach Sumatra und erhielt als Geschenk seiner Heimatgemeinde das nicht mehr benötigte Glöckchen der alten Werner Kapelle.

 

Neben dem Missionsverein existierte bereits 1891 ein ostpreußischer Gebetsverein. Seine Mitglieder waren z. T. schon in der alten Heimat bewusste Christen gewesen und wollten es auch jetzt bleiben; darum suchten sie die besondere Gebetsgemeinschaft. Später nannte sich die Gruppe „Ev. Gebetsverein ‘Gott mit uns’“. Man traf sich zeitweise in der Sedanstraße, dann im Deutschen Reich, wo 1904 ein Versammlungssaal eingeweiht wurde, in dem auch Untergruppen wie Chöre, Pausenchor und Jugendkreise tagten.

 

In diesem Zusammenhang muss noch an die besondere Masurenseelsorge erinnert werden; die Zuwanderer aus dem südlichen Ostpreußen hatten im Ruhrgebiet Sprachprobleme, wollten aber ihren evangelischen Gottesdienst feiern und waren darum dankbar, dass die Kirche ihnen sprachkundige Masurenprediger schickte, die in Werne noch bis zum 1. Weltkrieg Nachmittagsgottesdienste hielten.

 

Es ist Rummelds Verdienst, dass er diese pietistischen Gruppen bewusst in das Gemeindeleben integrierte. „Der Missionsverein hat immer Wert darauf gelegt, mit dem Pfarramt Hand in Hand zum Heil der ganzen Gemeinde seine Arbeit zu tun“, formulierte er das später.

 

Er hoffte, dass die gesunde Frömmigkeit dieser Christen auch auf die anderen Gruppen überspringe, die sich schnell bildeten: 1897 wurde der Jungfrauenverein gegründet, den die beiden Diakonissen leiteten. Den seit 1894 bestehenden Kindergottesdienst besuchten bald 600 Kinder, die von 18 Helferinnen betreut wurden. 1898 wurde zur Unterstützung der Diakonissenarbeit der Frauenverein ins Leben gerufen. Die politische Gemeinde baute der Kirchengemeinde einen Kindergarten, der 1899 eingeweiht wurde und als vorläufiges Vereinshaus galt, bis 1909 das Gemeindehaus Lütge Heide fertig war. 1900 bildete Rummeld aus einer Konfirmandengruppe den Jünglingsverein, der schon bald einen Posaunenchor besaß. Den Kirchenchor gab es seit 1903. Inzwischen war auch ein Blaukreuzverein neben vielen anderen Aktivitäten entstanden.

 

Diese vielseitige Gruppenarbeit erhielt 1906 neuen geistlichen Tiefgang durch ein besonderes Ereignis. Der kirchliche Gemeindehelfer Heinrich Dahlmeyer aus Langendreer hielt eine Evangelisation. Seine vollmächtige Verkündigung bewirkte einen Aufbruch in der Gemeinde und ihren Vereinen. Selbst Pfarrer Rummeld wurde davon ergriffen. Sein Nachbar in Langendreer, Pfarrer Grügelsiepe, schrieb darüber in seinen Erinnerungen: „Ich war damals Vorsitzender der Männer- und Jünglingsvereine Gau Witten. Auf einer Zusammenkunft hielt Dahlmeyer ein Referat über die Arbeit im Reiche Gottes. Da kam eines Tages der Pfarrer meiner Nachbargemeinde Werne, Pastor Rummeld zu mir und fragte, ob ich Bruder Dahlmeyer wohl zu einer Evangelisation für eine Woche frei geben wolle. Natürlich gab ich mein Jawort. Die Evangelisation begann und nach wenigen Vorträgen kam Dahlmeyer und erzählte mir, dass Pfarrer Rummeld mit etwa hundert Gemeindegliedern sich bekehrt habe. Ich sollte doch mitkommen. Nie vergesse ich, wie Bruder Rummeld vor der Versammlung stand und erklärte: ich habe euch bekehren wollen, aber der Herr hat mich bekehrt! Und am Sonntag legte er in der Predigt ein offenes Zeugnis ab.“

 

Ich muss einen Augenblick innehalten. Ein Pastor, ein Mann von 39 Jahren, ein akademisch gebildeter Theologe, ein seit 12 Jahren erfolgreich amtierender Gemeindepfarrer, beliebter Seelsorger und gern gehörter Prediger erklärt: „Der Herr hat mich bekehrt. Erst jetzt habe ich erkannt, dass mir bei allem Können und Wissen, Reden und Tun das fehlte, was Jesus dem Nikodemus vorhält: ihr müsst von neuem geboren werden. Diese und nicht nur in der Theorie, dass Jesus Christus ’mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels’, wie Luther es formulierte.“ Ein großer Augenblick im Leben dieses Mannes und seiner Gemeinde!

 

Nachdem nun zuerst die Zahl der Bibelstunden vermehrt wurde, bildete sich 1908 auch in Werne eine „Kirchliche Gemeinschaft“. Sie erhielt ab 1910 in Robert Berewinkel einen hauptamtlichen Gemeindehelfer. Später sind in ihr die verschiedenen anderen Gemeinschaften und Gebetsvereine aufgegangen. Ich bin dankbar, dass die Ev. Kirchliche Gemeinschaft, mit der Pfarrer Heinz Herden seit Jahren verbunden, immer noch besteht. Ihre Existenz sollte die Gemeinde an die auf Bibel und Gebet gegründete Frömmigkeit jener Jahre vor dem 1. Weltkrieg erinnern, die sich in vielen Werner Familien segensreich bis in unsere Zeit ausgewirkt hat.

 

Allerdings war das auch damals keine heile Welt. Der Geist der Zwietracht machte sich gerade in den pietistischen Kreisen immer wieder bemerkbar. Die Werbemethoden der Adventisten und anderer Sekten ebenso wie die Agitation der damals kirchenfeindlichen SPD veranlaßten schmerzliche Kirchenaustritte. Der Kirchen-Rendant beging Unterschlagungen und auch mit den Pastoren gab es Kummer.

 

Martin Luther endete 1913 durch Selbstmord, nachdem er sich mit dem Erbteil seiner Frau verspekuliert hatte. Sein Nachfolger Siegmeyer, lange als Marinepfarrer im Krieg, geriet in andere Schwierigkeiten und verzichtete 1919 auf die Rechte des geistlichen Standes.

 

Dagegen erwies sich der als dritter Pfarrer 1911 eingeführte Johannes Müller als so tüchtig, dass er als Fachmann für Apologetik, d. h. für die Verteidigung des Christentums gegen seine Verächter 1918 erst zum Kirchenkreis, später in die Landeskirche entschwand und unter dem Namen Müller-Schwefe in ganz Deutschland bekannt wurde. Sein Nachfolger, Paul Selmke, an sich ein treuer Pastor, ließ sich schon nach neun Jahren aus persönlichen Gründen pensionieren.

 

Ich kann das Auf und Ab von Freud und Leid der Gemeindegeschichte in diesen bewegten Jahren des Übergangs von der Kaiserzeit zur Republik aus Zeitmangel nicht im Einzelnen schildern. Aber ich möchte abschließend noch einmal festhalten: Die Gemeinde Werne ist in den ersten vierzig Jahren ihres Bestehens durch die Herzensfrömmigkeit vieler ihrer Glieder und durch den nicht nachlassenden Eifer Pfarrer Rummelds, seiner Presbyter und Mitarbeiter auf festem Glaubensfundament gegründet worden. Diese Bauern- und Arbeitergemeinde wusste, woran man sich in den Stürmen des Lebens halten kann: an das Evangelium von Jesus Christus. Dieses Bekenntnis galt es zu bewahren in der Zeit von

 

Kirchenkampf und Wiederaufbau

 

1933 war Pfarrer Rummeld 66 Jahre alt. Ihm zur Seite standen in der 1. Pfarrstelle seit 1927 Wilhelm Schmerkotte, aus Gelsenkirchen-Bismarck gebürtig, der eine treue Bezirksarbeit im Bereich der Rüsingschule betrieb; dazu in der 3. Pfarrstelle seit 1928 Gerhard Schleomann aus Gevelsberg, der als vielseitig begabter Mann die Kirchenmusik und die Schüler-Bibelkreise in Werne neu belebte. Erstmalig arbeiteten alle drei Pfarrer brüderlich zusammen. Von 1928 bis 1933 hatten sie trotz der wirtschaftlichen Notzeit das Gemeindeleben zu neuer Blüte gebracht.

 

Es schien, als solle auch die „nationale Revolution“ Hitlers die Kirche zu neuem Aufschwung bringen. Rund 100 Freidenker erklärten ihren Wiedereintritt.

 

Auf dem Werner Markt dankte man für die Befreiung von der Gefahr des Bolschewismus mit dem Liede „Lobe den Herren“ und leitete den „Feiertag der nationalen Arbeit“ am 1. Mai mit einem Feldgottesdienst ein.

 

Doch Presbyter und Pastoren blieben trotz der damals auch in der Kirche vorherrschenden nationalen Begeisterung vorsichtig und beäugten vor allem misstrauisch die Aktivitäten der sogenannten Deutschen Christen. Einige dieser Hitlerfreunde waren bei den Kirchenwahlen im November 1932 in die Leitungsgremien der Gemeinde gekommen.

 

Die Wahl Friedrichs von Bodelschwingh zum Reichsbischof wurde in Werne einmütig begrüßt. Doch dann kam der Gegenschlag der Deutschen Christen: sie zwangen Bodelschwingh zum Rücktritt und lösten am 24. Juni sämtliche kirchliche Leitungsgremien auf. Und Zugleich mit der an sich seit Jahren erwünschten Bildung einer Gesamtdeutschen Ev. Kirche wurde am 14. Juli die Neuwahl der Presbyterien gesetzlich befohlen, und zwar schon für den 23. Juli, also binnen kürzester Frist.

 

In der Gemeindechronik heißt es zu dieser Kirchenwahl: „In unserer Gemeinde wollten wir uns, wie es vielfach üblich geworden war, nicht durch eine sogenannte Einheitsliste, die den DC etwa 50 - 70 % der Vertretung zusicherte, zufrieden geben, sondern ließen es auf einen Wahlkampf ankommen. Es ist das besondere Verdienst von Pfarrer Schloemann, diesen Wahlkampf durchgeführt zu haben.“

 

„Es sei für die Lage kennzeichnend gewesen“, fährt die Chronik fort, „daß mit allen politischen Mitteln der NSDAP wie auch des Staates eine Beeinflussung der Wähler im Sinne der DC versucht wurde. Auf den Arbeitsplätzen wurden die Leute unter Umständen mit Bedrohungen wirtschaftlicher Art aufgefordert, sich an der Wahl im Sinne der DC zu beteiligen. Männer, die auf der Liste ‘Evangelium und Kirche’ standen, wurden aus der Partei entfernt. Es waren zum Teil die ältesten Mitglieder der politischen Ortsgruppe in der Gemeinde.“ Diese Leute wurden später von der Partei rehabilitiert.

 

Die Chronik berichtet weiter: „So setzte ein Strom von Menschen zur Wählerliste ein, die im allgemeinen unkirchlich waren, aber mitwirken sollten im Sinne der DC. Für die Wählerliste meldeten sich in den Tagen vor dem Wahltage an 2934 Personen, während bis dahin die Gesamtzahl der angemeldeten Wähler nur 2409 Personen betrug ... Trotz der Kürze der Zeit, trotz der uns auferlegten Beschränkung der Propaganda war dennoch das Ergebnis ein recht erfreuliches ... 1848 Stimmen für ‘Evangelium und Kirche’ und 1389 Stimmen für die DC. Es ist dies Ergebnis in mancher Hinsicht bemerkenswert. Es stellt der Wahlgemeinde das Zeugnis aus, dass sie sich in kirchlichen Dingen nicht durch politische Beeinflussung wie sie in stärkstem Maße besonders durch die Wahlrede des Reichskanzlers getrieben war, irgendwie beeinflussen lassen wollte. Sie hat den anderen Gemeinden der Synode Bochum gezeigt, dass es besser war, es auf einen Wahlkampf ankommen zu lassen, als den DC das Feld zu räumen. Werne war die einzige Gemeinde in Bochum, die von vornherein einen klaren Wahlsieg zu verzeichnen hatte.“

 

Zu diesem Sieg hat ganz wesentlich beigetragen die brüderliche Gemeinschaft der Pastoren und die gute Organisation der Gemeindekreise. So wurde es Schloemann möglich, gleichsam auf Knopfdruck die aktiven Gemeindeglieder über die Bezirksfrauen und Obmänner zu mobilisieren. Doch es war nicht nur die geschickte Strategie, die den Erfolg brachte. Es war vor allem das an der Bibel geschulte Gespür der Gemeindeglieder, dass es hier um die Frage ging, wer der höchste Herr war: Christus oder Hitler. Der Glaube der Gemeinde erwies seine Echtheit im Bekenntnis. Als am 10. November die Gemeinde den 450. Geburtstag Luthers feierte, bekräftigte das Presbyterium, es habe „verstanden, dass es um die Grundlage der Kirche, um das Bekenntnis, um die Erhaltung der Güter der Reformation geht.“

 

Dass diese Haltung auch Opfer forderte, erfuhr die Gemeinde bald darauf. Pfarrer Schmerkotte berichtete in der Chronik: „Die revolutionäre Zeitlage wurde im November 1933 von ruchlosen Elementen benutzt, um einen unserer werten Presbyter, Herrn Markmann, der zugleich Vorsitzender des Ev. Arbeitervereins war, in nächtlicher Stunde im einsamen Feld niederzuschlagen. Eine dreiwöchentliche Krankenhausbehandlung war nötig zu seiner Genesung.“

 

Den Höhepunkt des Kirchenkampfes brachte das Jahr 1934. Das westfälische Bekenntnis bildete sich. Werne schloss sich ihr an. Damals begann die Gemeinde, im Gottesdienst Glaubensbekenntnis und Vaterunser laut mitzubeten. Als die Angriffe des DC-Reichsbischofs Müller zunahmen, wurde wie in anderen Gemeinden auch in Werne das Läuten der Glocken eingestellt; zum Gottesdienst wurde nur mit der Totenglocke eingeladen; man löschte die Altarkerzen, tat Fürbitte für alle Verfolgten und schloss alle Versammlungen mit dem Lied „Aus tiefster Not schrei ich zu dir“. Endlich, am 20. November, warf Müller das Handtuch und nahm seine Verordnungen zurück.

 

Zuvor, am 3. Oktober, nahmen sämtliche BK-Pfarrer Bochums an einem Werner Festtag teil: Rummelds 40jähriges Ortsjubiläum wurde mit Dank gegen Gott begangen. Ein Jahr später feierte Kirchmeister Lück seine 40jährige Zugehörigkeit zu den Leitungsgremien.

 

In den Folgejahren verschwanden die DC aus Werne. Sie gingen lieber nach Harpen, wo die kleine BK-Gemeinde unter Druck stand und zeitweise durch Pfarrer Schmerkotte unterstützt wurde. Pfarrer Schloemann schlug als Schriftführer im Bezirksverband der Frauenhilfe noch manche tapfere Schlacht gegen die DC-Funktionäre. In Werne gelang ihm mit seinem Bezirk eine einmalige Baumaßnahme: Am 12. November 1932 wurde das Oberlinhaus eingeweiht.

 

Als Eigentümer fungierte der Kindergartenverein. Der Bauplatz wurde von der Zeche Robert Müser geschenkt. Die Steine stammten aus dem Abbruch der alten Ziegelei. Die Finanzierung erfolgte ohne Kirchensteuermittel, nur durch Spenden!

 

Man kann verstehen, dass die Gemeinde traurig war, als 1937 Schloemann einem Ruf nach Höxter folgte und Rummeld mit 70 Jahren in den Ruhestand ging. Gott schenkte der Gemeinde aber tüchtige Nachfolger in Alfred Agena, der zuvor in Evingsen bei Altena Pastor war, und in dem jungen BK-Hilfsprediger Helmut Beckmann, der dann allerdings für lange Jahre als Soldat eingezogen wurde.

 

So mussten Schmerkotte und Agena während des Krieges die Gemeinde allein versorgen. Auch Werne blieb von den Bomben nicht verschont. Beim Gemeindejubiläum vor 50 Jahren war die Kirche deswegen nicht benutzbar. Die schwersten Opfer an Menschen und Häuser brachte das Jahr 1945, als allein der Luftangriff auf eine Munitionsanstalt 230 Tote forderte und am 22. März eine schwere Luftmine unmittelbar neben dem Chor der Kirche einschlug. Den angeknacksten Kirchturm riss dann am 28. Dezember 1945 ein schwerer Orkan ab und schleuderte ihn auf das Kirchendach.

 

Alle Kriegsnot konnte den Zusammenhalt der Gemeinde in Glaube und Bekenntnis nicht zerstören. Und so ging man nach Kriegsende dankbar gemeinsam an den Wiederaufbau. Verhältnismäßig früh, ab 27. März 1949, konnte die Kirche vorläufig wieder genutzt werden; ihre völlige Fertigstellung dauerte bis zur Montierung des Turmhahnes im Mai 1957. Die erste kreiskirchliche Visitation im November 1949 stellte das Aufblühen aller Gemeindekreise fest. In Pfarrer Agena fand Superintendent Bach einen kompetenten Berater, einen Fachmann für Öffentlichkeitsarbeit und Medienprobleme und vor allem den besten Leiter kreiskirchlicher Zusammenarbeit mit den Schulen, den der Kirchenkreis je hatte. Darüber hinaus ermutigte er geeignete Gemeindeglieder zum katechetischen Dienst, z. B. Waltraud Retkowski oder Wilhelm Spittka.

 

Leider starb Agena 1952 an den Folgen einer alten Kriegsverletzung. Mit seinem Tode ging die eigentliche Wiederaufbauzeit zu Ende. Die Gemeinde hat dafür viel Geld und Arbeitskraft geopfert, allein für den Kirchenbau 36.000,-- DM. Nach Wiederherstellung des Gemeindehauses wurde das Zentrum am Anemonenweg geplant. Damit begann ein neuer Abschnitt der Gemeindegeschichte.

 

Wenn ich den letzten 40 Jahren der Gemeindegeschichte die Überschrift

 

Neue Wege

 

gebe, dann kann ich nur sehr summarisch einige dieser Wege aufzeigen: die Anerkennung der Frau in Gesellschaft und Kirche, die Gemeinschaft mit Christen anderer Konfessionen und das sozialpolitische Engagement.

 

Als ich in meiner Bauern- und Bergarbeitergemeinde Uemmingen regelmäßig Hausbesuche machte, habe ich schnell herausgefunden, welch wichtige Rolle die Frauen und Mütter spielen. Mochten die Männer sich in den Versammlungen der Gewerkschaften, Parteien und Vereine öffentlichkeitswirksam streiten - die Frauen blieben der ruhende, entscheidende Pol in der Erscheinungen Flucht. So war es auch in der Gemeinde bis hin in die Pfarrhäuser. Ich bin überzeugt, viele Beschlüsse der sogenannten Männerkirche sind nur das Ergebnis weiblicher Intensivberatung im Geheimen. Darüber hinaus haben Frauenvereine auch in Werne von Anfang an ihre Pastoren hilfreich/kritisch begleitet; ohne die Gemeindeschwestern und später die Kindergärtnerinnen, ohne die Helferinnen im Kindergottesdienst wäre der Gemeindeaufbau nicht möglich gewesen.

 

Neu wurde in den letzten Jahren, dass diese oft entscheidende Rolle der Frau öffentlich gewürdigt wird und dass ihre biblisch begründete Gleichwertigkeit auch als Gleichberechtigung gegenüber den Männern durchgesetzt wird. So viel ich sehe, ist diese Entwicklung in der Kirchengemeinde Werne seit langem im Gange.

 

Die Mitverantwortung der Frauen im Presbyterium ist inzwischen selbstverständlich. Auch Orgelspiel und Chorleitung sind nicht mehr einem Lehrer, sondern einer Kirchenmusikerin anvertraut, und in Kürze wird die erste Werner Pastorin ihr Amt antreten. Dass Werner Frauen in Gremien oder Vorständen übergemeindlicher Organe und Verbände, ja auch in Parteien und anderen gesellschaftlichen Gruppen mitwirken, ist auch schon fast nichts neues mehr.

 

Der zweite neue Weg: In einem Bericht von 1895 hieß es: „Zur katholischen Kirche besteht ein gespanntes Verhältnis.“ Entspannung war erst angesagt, als der neuheidnische Druck der Hitlerzeit beide Kirchen belastete und zusammenführte. Da waren die Jahre, in denen Otto Fastabend die Herz-Jesu-Gemeinde in Werne leitete. Die Nachfolger von Pfarrer Agena, Alfred Thieme und ab 1960 Heinz Herden und auch die ersten Pfarrer in der neuen 4. Pfarrstelle seit 1955, Walter Rey und Karl-Heinz Supplie, halfen, das Klima zwischen den Konfessionen zu enteisen. Und noch bevor 1971 Pfarrer Walter Beißel sein Amt als katholischer Seelsorger angetreten hatte, fand ein erster gemeinsamer Gottesdienst der beiden Gemeinden statt, ein ökumenischer Ausschuss bot Vorträge und Ausspracheabende an, und inzwischen hat man es zu einer gewissen Meisterschaft bei der Ausrichtung gemeinsamer Feste gemacht. „All Fehd hat nun ein Ende.“

 

Der Missionseifer des Seminaristen Christian Heerig hat bis heute in der Gemeinde fortgewirkt, wenn auch neue Formen und Partner gefunden wurden. Über die aus Werne stammenden Pastoren Pamp und Wille kamen spezielle Verbindungen nach Südafrika und Uganda zustande. Neu war die Verbindung mit der DDR-Patengemeinde Nohra seit den 50er Jahren, mit einer Amsterdamer Gemeinde in den 60er Jahren und mit einer polnischen Gemeinde im ehemaligen Ostpreußen. Auch zeigte die Gemeinde reges Interesse an ökumenischen Problemen und spendete erhebliche Beiträge für Krisengebiete. Über die gern besuchten Kirchentage spannte sich so ein weiteres Zelt von den Christen in Werne zu den Christen in aller Welt.

 

Die bisher aufgezeigten neuen Wege sind auch von anderen Kirchengemeinden beschritten worden. Was Werne vor anderen Gemeinden auszeichnet, ist der sozialpolitische Weg. Er ist vor allem geprägt worden durch Pfarrer Gert Leipski. Der steht uns allen noch so lebendig vor Augen, dass ich nur in einigen Stichworten an ihn und seine umfangreiche Tätigkeit erinnern kann.

 

1958 ging Wilhelm Schmerkotte nach 31 Amtsjahren in den wohlverdienten Ruhestand, den er nicht lange genießen konnte; er starb schon 1959. Ihm folgte der bisher in Bochum-Hamme amtierende Hilfsprediger Gert Leipski. Er baute sich selbst sein Gemeindezentrum am Anemonenweg, das Ludwig-Steil-Haus, das am 1. November 1963 eingeweiht wurde.

 

Während seiner Ausbildungszeit hatte er 1956 - 1957 praktisch im Bergbau gearbeitet, war Gewerkschaftler geworden und der SPD beigetreten. Mit Feuereifer suchte er nun den Kontakt mit seinen Kumpels in Werne, ihren Betrieben und Organisationen. Höhepunkte seiner innergemeindlichen Sozialarbeit waren der Einsatz für die von der Zechenschließung Robert Müser 1968 Betroffenen und die erfolgreichen Verhandlungen zur Erhaltung von Wohnhäusern in der Vollmondsiedlung 1969 und in der Siedlung Deutsches Reich ab 1975. Im gleichen Jahr ließ er sich in den Rat der Stadt Bochum wählen, um noch besser helfen zu können. Denn dies war immer wieder seine Frage: „Was wird aus den Menschen in Not?“. 1969 schrieb er in einem Aufsatz: „Unsere Welt ist eine sich verändernde Welt. Sie wird durch unsere Eingriffe, durch unser Gestalten, durch unser Verhalten verändert! Darum müssen wir in der Lage sein, auf die Veränderungen zu antworten. So zu antworten, dass Menschen nicht Schaden leiden, nicht unter die Räder kommen.“

 

Es ist zu hoffen, dass einmal jemand eine Biographie dieses ungewöhnlichen Mannes schreibt, der uns so früh im Februar dieses Jahres durch den Tod entrissen wurde und der bis zuletzt seine ganze Kraft für seine Mitbürger und Mitchristen einsetzte. Bei seiner Beurteilung war es für mich stets entscheidend, dass dieser gebürtige Ostpreuße, der als blutjunger Soldat durch alle Höllen des Krieges gegangen ist, im Grunde eines Herzens ein frommer Christ war. Gewiss, frömmelndes Reden war ihm verhasst; aber jedes konkrete Engagement für andere war bei ihm biblisch begründet, wie man seiner Zeitungsserie „Ein Wort zum Sonntag“ nachlesen kann. Ich denke, dass er in dieser biblischen Verwurzelung auch den jungen Pastoren Johannes Lohmann und Reinhard Wolters Eindruck gemacht hat, die als Nachfolger der Pfarrer Supplie und Beckmann etwa 10 Jahre mit ihm zusammengearbeitet haben. Sie gehörten zu den vielen jungen Theologen nach dem revolutionären Jahr 1968, die fast mehr auf das Menschliche (Humkanum) als auf das Göttliche (Divinum) ausgerichtet schienen. Eine Presbyterin sagte mir damals: „Wir helfen ihnen schon zurecht.“ Das war bei Leipski nicht nötig.

 

Er hat gewußt, dass ohne die innere Gründung des Christen im Glauben an seinen Herrn die rechten Maßstäbe verloren gehen, auch in der Sozialarbeit. Er hat auch gewusst, dass das tapferste Bekenntnis zu Gott ein reines Lippenbekenntnis bleibt, wenn es sich nicht im Dienst an den Mitmenschen auswirkt. Möge dieser Dreiklang von Glaube, Bekenntnis und Dienst auch künftig die Evangelische Kirchengemeinde Bochum-Werne bestimmen.

 

Wolfgang Werbeck

 

Die Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Freitag, 24. November 2017:
Losungstext:
Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.
Psalm 9,19
Lehrtext:
Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.
1.Thessalonicher 4,17-18